Nationalfeiertag in Ägypten – 40 Jahre später eine weitere Befreiung?

Der 6. Oktober markiert in Ägypten einen Nationalfeiertag. 1973 überraschte das ägyptische Militär erfolgreich seine israelischen Mitstreiter was dazu verhalf, Sinai zurück zu gewinnen. 40 Jahre später wird dieses Ereignis noch immer gefeiert, allerdings mit einem großen Schatten über der Nation.

Seit dem ehemaliger Präsident Sadat bei einem Militäraufmarsch erschossen wurde, zeigt sich das Militär bei solchen Aufmärschen nur noch in der Luft. Tieffliegende Militärflugzeuge kreisen über Kairo und malen Kerosin-Herzen in die Luft – eine Liebesbotschaft, die zeigen soll, dass sich das Militär für das ägyptische Volk einsetzt und in dessen Interesse handelt. Ironischerweise, scheint nicht jeder diese Nachricht ernst zunehmen. Selbst bei einem Jubiläum wie diesen, gibt es wenig Anzeichen eines Jubiläums auf den Straßen.

Seitdem Präsident Mursi durch die Tamarud (Rebel)-Kampagne und mit Hilfe vom Militär am 3. Juli gestürzt worden ist, gab es vereinzelte Anschläge wie zum Beispiel der Bombenanschlag auf Innenminister Mohammed Ibrahim am 5. September, auf die Polizei (z.B. die Bombenexplosion an einer Polizeistation in der Süd-Sinai Hauptstadt El Tour am 7. Oktober bei der zwei Polizisten ums Leben kamen) und auf das Militär (vor allem im Norden Sinais wobei auch einige Soldaten zu Opfer fielen).

Das Land setzt auf Sicherheit und versucht Ägypten von Terrorismus zu befreien. Es brauche eine starke Hand, die das Land im Griff hat, erklärte mir ein Arbeitskollege. Dass dabei fast jede Woche duzende von Menschen ums Leben kommen spielt wohl keine Rolle. „Wir säubern das Land.“

Solche Worte erschrecken mich doch sehr, zumal einige der Opfer wie es scheint nicht in irgendwelche terroristischen Aktivitäten involviert sind. So starben auch letzten Sonntag wieder knapp über 40 Leute im ganzen Land. In Dokki waren es laut dem Gesundheitsministerium 24. Deren Seelen scheinen noch immer durch die Luft zu kreisen, denn zwei Tage später, als ich genau am Ort des Geschehens eine Freundin traf, liegt noch immer eine Schwere in der Luft die auf die Brust drückt.

Es liegen keine Kränze, oder Kerzen, oder Bilder, nicht einmal Graffiti, wie es häufig während der Auseinandersetzungen in der Mohammed Mahmoud Straße beim Tahrir Platz der Fall war, wenn ein Revolutionär dem Militär zu Opfer fiel. Dessen Gesicht wurde meistens an irgendeiner Wand in Form von Graffiti festgehalten.

In Dokki, geht alles seinen normalen Alltag weiter. Als wäre nichts gewesen. Die Aktion findet in vieler Munde Rechtfertigung. Gleichzeitig, will sich wohl niemand dagegen äußern, weil man schnell in die Schublade der Moslembrüder gesteckt werden kann. Man gehört eben entweder auf die Seite des Militärs oder auf die der Moslembrüder, die jetzt illegal sind. Es scheint schwierig sich irgendwo dazwischen zu positionieren. Solche Meinungen gibt es, doch scheinen sie nicht organisiert zu sein, zumindest nicht effizient, oder sie haben nur (noch) nicht genügend Spielraum. Einen sehr interessanten Artikel in Englisch dazu schreibt Abdel Ghany Sayed.

Nicht nur er zeigt, dass es innerhalb der Übergangsregierung durchaus eine Fraktion gibt, die für Gespräche und Versöhnung plädiert. Ob sich diese jedoch durchsetzen kann ist fraglich, wenn draußen auf den Straßen zwar der ‘Krieg gegen Terror’ weitergeführt und das Land von Extremisten befreit, gleichzeitig der Terrorismus dadurch doch aber irgendwie auch geschürt wird.

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